Der American Bulldog (AmBull)
Persönliche Rasseeinschätzung von Nicole Kock
Auf einen Rassestandart im klassischen Sinne möchte ich hier verzichten, da jeder Hund seinen eigenen individuellen Charakter hat und man deshalb keine Pauschalaussagen tätigen kann.
Das Erscheinungsbild des AmBulls ist recht unterschiedlich, da er ursprünglich für verschiedene Aufgaben gezüchtet wurde und keine FCI anerkannte Rasse ist.
Natürlich hat jeder Züchter seine persönlichen optischen Vorlieben und züchtet seine Hunde danach.
Dies ist nicht unbedingt negativ zu bewerten, solange die Gesundheit der Hunde nicht gefährdet wird. Ich sehe es eher so, dass für jeden etwas dabei ist. Es gibt sehr große, schwere AmBulls, genauso wie kleine, bullige Vertreter oder schlanke, drahtige Sportskanonen. Grundsätzlich kann man den American Bulldog in den Standard- und den Bully Typ unterteilen.
Daneben gibt es noch den Hybrid Typ der grob gesagt, eine Mischung aus dem Bully und dem Standard Typ ist. Diese drei Typen unterscheiden sich nicht nur optisch mehr oder weniger stark voneinander, sondern auch charakterlich.

Grundsätzlichkeiten über die Bewegungsfreudigkeit und den Charakter der verschiedenen Typen kann man nicht machen. Es finden sich genauso Sofapupser als auch Athleten unter den American Bulldogs.
Bevor man sich für einen AmBull entscheidet, sollte man sich überlegen, was man mit seinem Hund erreichen möchte.
- Soll Ihr Hund „nur“ Begleiter/Freund/Kumpel der Familie sein, der natürlich auch hundgerecht beschäftigt werden möchte?
- Soll Ihr AmBull Sie beim Joggen/ Rad fahren oder ähnlichen Freizeitbeschäftigungen begleiten?
- Oder wollen Sie gar eine kleine Sportkarriere mit ihrem Hund starten, wofür Sie einen triebstarken, sehr bewegungsfreudigen Partner an Ihrer Seite benötigen?
Es ist wichtig sich vor der Anschaffung eines Bulldogs die oben genannten Dinge zu überlegen, da es z. B sehr gesundheitsgefährdet wäre einen 55kg schweren großrahmigen Bulldog regelmäßig über Hürden springen zu lassen.
Außerdem ist es einigen Bully-Typen rein anatomisch nicht möglich eine Sportlerkarriere anzustreben. Im Umkehrschluß ist es schwierig wenn ich einen drahtigen, kernigen, sportlichen Bulldog zu Hause habe und dann seinem Bewegungsdrang nicht nachkommen kann. Es ist für einen bewegungsfreudigen Hund eine Qual, den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen zu müssen. Oft entstehen dann Verhaltensprobleme oder der Hund sucht sich eine Beschäftigung, die meistens nicht im Sinne der Menschen ist.
Verantwortungsvolle Züchter und kompetente Tierheimmitarbeiter werden Sie über die verschiedenen Eigenschaften des Hundes aufklären und den richtigen Hund für Sie finden.
Der American Bulldog braucht eine konsequente aber liebevolle Erziehung. Besonderen Wert ist auf die Sozialisierung des Welpen und Junghundes mit verschiedenen Artgenossen und auch mit vielen verschiedenen fremden Menschen zu legen.
Trotz aller Bemühungen kann es sein, dass ihr Bulldog im Erwachsenenalter nicht mehr mit gleichgeschlechtlichen Hunden verträglich ist. Auch eine gewisse Abneigung gegenüber fremden Menschen kommt bei einigen Vertretern der Rasse vor.
Das es bei einem Hund von der Stärke und der Größe des American Bulldogs wichtig ist, ihn gut zu erziehen und einen gewissen Grundgehorsam beizubehalten, ist eigentlich nicht erwähnenswert.
Auf keinen Fall darf man beim AmBull Konsequenz mit Härte verwechseln, denn unnötige Härte und ungerechte Strafe verkraften sie nur schlecht. So viele Muskeln der Bulldog auch hat und so stark er aussieht, so weich ist er in seinem Inneren und leidet sehr unter gewaltvollen Bestrafungen seines geliebten Besitzers.
Meine persönlichen Erfahrungen mit meinen vier Hunden sind:
Jeder von Ihnen ist anders, jeder auf seine eigene Art entzückend und auch schwierig.
Ich habe zwei AmBull Hündinnen, von denen die eine sehr gemütlich ist, während die andere vor Power nur so strotzt! Der Rüde wiederum ist ein wahrer Ausdauerläufer.
Ich brauche mehr Fingerspitzengefühl in der Erziehung meiner Bulldogs, als bei meiner Pit Bull Terrier Hündin. Fehler verzeihen sie mir nur schwer, und sie nutzen jede meiner Schwächen für Ihren Vorteil aus. Sie können wahnsinnig süß gucken und geben herzzerreisende Geräusche von sich, um auf das Sofa zu gelangen, und wenn man es ihnen gewährt, meinen Sie es allein nutzen zu dürfen ;-)
Aber eines haben sie alle gemeinsam, sie lieben ihre Menschen und sind ihrer Familie treu ergeben.
Beschreibung eines Züchters des Bully Typs:
Ich tue mich mit Pauschalaussagen schwer, da die Rasse nicht „durchgezüchtet“ ist. ABs können sowohl vom Geno- als auch Phänotyp und auch vom Wesen/Temperament her vollkommen unterschiedlich sein..
Ein Standardhund der über Jagdhund- und/oder Terrierblut gezogen wurde ist ein vollkommen anderer Hund als ein über EB und oder Molosserblut gezogener Bully.
Ich versuche es trotzdem...:
Ist der Bulldog ein „harter“ oder ein „weicher“ Hund? Wie ist er zu erziehen?
Eher ein weicher Hund der aber ähnlich wie andere Molosser mit Verstand erzogen werden sollte. Ein Bulldog ist nicht schwer zu erziehen, allerdings sollte
dies mit vernünftiger Konsequenz erfolgen. Übertriebene Härte kann verheerende Folgen haben, wenn der Hund in den Wehrtrieb schaltet.
Bei aller Erziehung sollte man bedenken, dass der AB auch geistig ein Spätentwickler ist.
Welche Schwierigkeiten gibt es im Zusammenleben mit dem AB?
Keine, wenn man sich ganz nach den Wünschen seines Bulldogs richtet...
Spaß beiseite, viele Problemhunde sind meiner Meinung nach das Ergebnis inkonsequenter Erziehung. Der Bulldog ist ein Clown, besonders im Welpen-/Junghundalter und wickelt meist seine Besitzer durch seinen lustigen Charakter "um den kleinen Finger". Dadurch verschafft er sich sogenannte Ressourcen/Vorteile. Ihm diese dann später wieder abzunehmen, kann zu ernsthaften Problemen führen, je nach Dominanzausprägung des jeweiligen Hundes. Also, wenn man nicht möchte, dass ein erwachsener Hund auf dem Sofa liegt, dann sollte man es dem Hund als Welpen einfach nicht erlauben, so einfach ist das.
Als Züchter sollte man nicht verschweigen das Bulldogs, besonders Rüden, dazu neigen im Alter zu raufen. Dies ist allerdings für eine große wehrhafte Rasse nicht ungewöhnlich, gute Welpenprägung und Sozialisierung können dagegen wirken.
Was unterscheidet den AmBull von anderen Hunderassen?
Der AB hat im Gegensatz zu vielen anderen Gebrauchshunderassen den sogenannten "Knopf zum Abschalten". Das soll nicht heißen, dass er nicht beschäftigt werden muß. Im Gegenteil! Allerdings ist er sehr menschenbezogen und hat auch nichts dagegen mal einen Abend auf dem Sofa einzulegen, anstatt auf dem Hundeplatz im Regen abliegen zu müssen...man sagt so gerne der Bulldog sei menschlich. Dies ist vielleicht der falsche Begriff: jedenfalls tippelt ein Bulldog nicht nervös durchs Haus, wenn er mal nicht das gewohnte Programm bekommt.
Welche rassetypischen Krankheiten würden Sie in Bezug auf den AB nennen?
- HD, ED im normalen Rahmen, hier spielt die Genetik und züchterische Sorgfalt eine Rolle.
- NCL.
Meinen persönlichen Beobachtungen nach, ist die Spondylose incl. Cauda Equina im Kommen.
Kreuzbandrisse sind auch keine Seltenheit mehr. Wie auch bei anderen Rassen die 40-50 kg wiegen. Aber meine glauben dennoch springen und toben zu können wie ein Terrier.
Beschreibung eines Züchters des Standard-Typs:
Es ist natürlich schwierig, hier eine Pauschalaussage zu treffen. Unsere eigenen Hunde sind mehr oder weniger alle miteinander verwand und zeigen auch ähnliche Eigenschaften, also versuche ich einmal unsere eigenen Vierbeiner zu beschreiben, wie z.B.:
- temperamentvoll
- aktiv
- sportlich
- lernwillig
- freundlich
- sehr familienbezogen
- manchmal etwas eigensinnig
Natürlich liest sich das jetzt wie " der perfekte Hund ", für uns sind sie das auch, allerdings muß man auch daran arbeiten, das die Hunde so zufrieden und ausgeglichen sind!
Unsere Hunde müssen täglich psychisch wie physisch gut ausgelastet werden, um auch den berühmten " Aus - Schalter " zu finden.
Die viel zitierte Sturheit des AB`s kann ich so nicht bestätigen. Natürlich haben auch unsere manchmal ihren eigenen Kopf, sind allerdings schnell davon zu überzeugen, das wir Menschen noch viel sturer sein können.
Der AB benötigt unabdingbar eine konsequente Erziehung, nicht zu verwechseln mit Härte! Diese konsequente Erziehung muß schon im Welpenalter gegeben werden!
Aus seiner Hundesicht ungerechte Behandlung verträgt der Bulldog nicht, genausowenig wie cholerische Wutausbrüche, körperliche harte Bestrafungen und beleidigte Ignoranz seiner Halter!
Der Bulldog gehört zu souveränen, ausgeglichenen Besitzern mit Hundeverstand, Besitzer die mit beiden Beinen fest im Leben stehen!
Auch bin ich der Ansicht, das der American Bulldog in seine Familie gehört und nicht in einem Zwinger versauern darf. Dafür ist der AB zu intelligent und menschenbezogen, wird er einfach abgeschoben und ignoriert, bekommt er durch seine sensible Seite ein großes Problem! Die meisten Hunde sind sehr auf ihre Familie fixiert und sollten auch genügend Möglichkeiten haben, viel Zeit mit ihren Besitzern zu verbringen.
Ein gut sozialisierter, konsequent erzogener, körperlich und geistig ausgelasteter American Bulldog der von seinen Besitzern geliebt wird wie er ist, ist ein absolut loyales und fröhliches Familienmitglied, welches man nicht mehr missen möchte!
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